Bild 21: Vergleich der Scheibenwicklung des Forschungsvorhabens
WE 274/75 mit erfindungsgemäßen Doppel-Scheibenmaschinen 1,2,3
Der Wirkungsgrad der Maschine betrug, trotz schlechter Maschinenflächen-
und Kupfernutzung, in Abhängigkeit von der Drehzahl und der Belastung
82 bis 92% (Auszug aus WE 274/75). Dies ist der Eisenfreiheit der Wicklung zu verdanken.
(Wichtig bei dieser Anwendung war der Aufbau der Wicklung aus Kupferlitze
(Aufteilung eines dicken Kupferquerschnittes auf viele kleine, die parallel
geschaltet sind), um Wirbelstromverluste in der Wicklung, aufgrund der
vielen Polwechsel bei der hohen Drehzahl, zu vermeiden. Dieses Vorgehen
sollte auch bei der Realisierung der Maschine nach dem Luftspulenprinzip
übernommen werden.)
Mit der Grundform, der in Bild 15 in Fachaufsatz I vorgestellten neuen
Scheibenmaschine, kann dagegen die 56cm Maschinendurchmesser im Umfangsbereich
im vollen Maße genutzt werden.
Bild 21 veranschaulicht den Gewinn verschiedener erfindungsgemäßer
Ausführungen der Grundform der Doppel-Scheibenmaschine gegenüber
der Scheibenmaschine des Forschungsvorhabens eindrucksvoll. Es sind in
Bild 21 die Spulendurchmesser, die Leiterlänge und der Verlauf jeweils
einer Spulenseite (Leiter 1, 2, 3) und die jeweilige, innerhalb eines
Luftspaltes liegende, Polfläche vergleichend gegenübergestellt.
Doppel-Scheibenmaschine 1
Ein Ergebnis der Untersuchung ist, dass im Umfangsbereich (zwischen 40
und 56 cm Radius) eines Luftspaltes der erfindungsgemäßen Doppel-Scheibenmaschinen
ein Vielfaches der Maschinenleistung, der herkömmlich genutzten Wicklungsteile
(zwischen 20 und 40 cm Radius) vollbracht wird und dies auf hocheffiziente
Weise.
Die Doppel-Scheibenmaschine 1 (Bild 21 und Bild1) kommt somit auf eine
mehr als 11fache Leistung gegenüber der Maschine des Forschungsvorhabens,
also auf 334kW, bei gleichem Maschinendurchmesser, gleicher Polzahl und
Drehzahl, also gleichen äußeren Bedingungen.

Bild 1: Vergleich der Scheibenwicklung des Forschungsvorhabens
WE 274/75 mit erfindungsgemäßen Doppel-Scheibenmaschinen 1
Durch den parallel liegenden Luftspaltabschnitt und die teilweise Ausstattung
des Umfangsbereiches der Doppel-Scheibenmaschine 1 mit magnetischem Feld,
steigt der Magnetmaterialbedarf nur auf das 4,5-fache. Die Maschine ist
durch den zweiten Luftspaltabschnitt axial etwas länger. Dies ist
aber alles in Anbetracht des enormen Leistungszuwachses und der Effizienzsteigerung
für die meisten Anwendungen akzeptabel.
Der Wirkungsgrad liegt aufgrund der vermiedenen Kupferverluste, die sich
ihrerseits vielfältig verlustsparend auswirken, im Maximum nahe bei
100%, da im Forschungsvorhaben, wenn man von zu vermeidenden Wirbelstromverlusten
im Verbundsmaterial absieht, 50-66% der Gesamtverluste elektrische Verluste
(Ohmsche- und Bürstenübergangsverluste) waren. Dieser Verlustanteil
war drehzahlabhängig, da die restlichen 33-50% der Gesamtverluste
im wesentlichen durch Luftreibung zustande kamen, die drehzahlabhängig
waren. Auch in den Dissertationen [5,6,7] werden herkömmliche
Luftspulenscheibenmaschinen untersucht, woraus ersichtlich wird, dass
auch bei ihnen der Anteil der Kupferverluste an den Gesamtverlusten zwischen
30 und 70% liegt, mit der Tendenz zu 70% in Abhängigkeit von der
Drehzahl und der Belastung.
Doppel-Scheibenmaschine 2
Will man am Außendurchmesser der Maschine sparen und beschränkt
deshalb den Durchmesser der Wicklung auf 40cm, erzielt man mit dem Grundtyp
der Scheibenmaschine von Bild 2 eine Leistung von ca. 94 kW (Doppel-Scheibenmaschine
2, Bild 21) was einem Leistungsgewinn von 212%, gegenüber der Maschinen
des Forschungsvorhabens, entspricht (Bild 21 und Bild 2).

Bild 2: Vergleich der Scheibenwicklung des Forschungsvorhabens
WE 274/75 mit erfindungsgemäßen Doppel-Scheibenmaschinen 2
(94 kW,40cm)
Die Maschine erreicht bei diesem geminderten Durchmesser noch immer mehr
als die dreifache Leistung beim doppeltem Einsatz von Magnetmaterial.
Hier liegt also der Gewinn, sowohl in der Leistung als auch im geringeren
Durchmesser, ganz abgesehen von den anderen Verbesserungen, wie dem höheren
Wirkungsgrad, dem größeren Leistungsvolumen und Leistungsgewicht
der Maschine und dem größeren Leistungsgewicht des Rotors,
sowie geringem Massenträgheitsmoment, was zu sehr energiesparenden
und dynamischen Eigenschaften führt.
Doppel-Scheibenmaschine 3
Wird nun, die gleiche Leistung der Maschine des Forschungsvorhabens,
aber bei sehr gemindertem Durchmesser und möglichst geringem Magnetmaterialeinsatz
angestrebt, kommt die Doppel-Scheibenmaschine 3 (Bild 21 und Bild 3) auf
einen Durchmesser von nur 31 cm, wobei noch 4% weniger Leiter und 6% weniger
Magnetmaterial im Vergleich zum Forschungsvorhaben aufgewendet werden
muss. Die hohe Effizienz des vorgestellten Maschinenkonzeptes wurde hierbei
fast vollständig zugunsten des Maschinendurchmessers mit einer Durchmesserersparnis
von 45% umgesetzt.

Bild 3: Vergleich der Scheibenwicklung des Forschungsvorhabens
WE 274/75 mit erfindungsgemäßen Doppel-Scheibenmaschinen 3
Wird dagegen die Effizienzsteigerung, wie in der Doppel-Scheibenmaschine
1, als Leistungssteigerung bei gleichem Durchmesser unter Einsatz von
67% mehr Leitermaterial und ca. 350% mehr Magnetmaterial umgesetzt, erhöht
sich die Leistung um 1000%
So kann der Gewinn der Effizienz vom Maschinenkonstrukteur dahin gelenkt
werden, wo es die Anwendung erfordert. Auf diese Weise liefert das vorgestellte
Maschinenkonzept auch den idealen Antrieb für zukünftige Elektroautos
in Verbindung mit dem Einsatz der Brennstoffzelle.
Hohe Effizienz
Bezüglich des Magnetaufwandes könnte man meinen, dass bei diesen
Maschinen z.B. in Bild 15 in Fachaufsatz 1, gegenüber herkömmlichen
Scheibenläufern mit einseitiger Magnetanordnung wie in Bild 1, mehr
Fläche mit Magneten bestückt werden muss, da ja zwei Luftspaltabschnitte
mit magnetischen Polen vorhanden sind. Auf die Spulenfläche bezogen
sind aber in dieser Maschinengrundform auch nur einseitig magnetische
Pole vorhanden, die u.a. nur auf mehrere Luftspaltabschnitte verteilt
liegen. Durch die bessere Kupferausnutzung, die bessere Nutzung der Leiter
im energiereichen Umfangsbereich und die flexible und daher optimale Maschinenauslegung,
ist die Spulenfläche und damit der Magnetaufwand sogar kleiner, um
auf eine geforderte Leistung zu kommen.
Man kann es auch anders betrachten, indem die Maschinen bei gleicher
Maschinenfläche wesentlich höhere Drehmomente und Leistungen
liefern. Hinzu kommt, dass die Maschinen sehr kompakt und durch
ihre flexible Auslegbarkeit sehr anpassungsfähig an äußere
Gegebenheiten sind.
Andere Anwendungen
Das Grundprinzip der Entwicklung, die Faltung der eisenfreien Luftspule
bzw. des Luftspaltes, im Schnitt quer zur Bewegungsrichtung, mit der Realisierung
der verbesserten Spulenausnutzung und dem Erreichen kompakter Maschinen
ist hervorragend für mit Gleichstrom betriebene Maschinen, wie in
den Zeichnungen teilweise dargestellt, mit mechanischer oder elektronischer
Kommutierung geeignet, bei Verwendung von vorzugsweise permanenterregten
und ausgeprägten magnetischen Polen und des dazugehörigen Wicklungsaufbaues.
Sie können als Spulenläufer oder Magnetläufer ausgelegt
sein. Statt der permanenterregten Feldmagnete kann auch eine elektromagnetische
Felderregung eingesetzt werden. Als Wechselstromgenerator eignet sich
die Maschine mit elektronischer Gleichrichtung zur Ladung von Batterien.
Mit einer Drehfeldwicklung im Luftspalt und ggf. entsprechender Beschaltung
ist die Maschine mit beispielsweise Permanentmagnetläufer für
den Betrieb als Synchron-Drehstrom- und Wechselstrommotor geeignet. Weiterführend
ist das neue Maschinenkonzept auch auf Asynchronmaschinen angewendet.
Dies bringt auch in dem Maschinenbereich viele Vorteile.
-
[1] Chr. Leymann, Abschlußbericht zum Forschungsvorhaben
WE 274/75, eisenloser Gleichstrom-Scheibenläufermotor mit Permanentmagneterregung,
Technische Universität Braunschweig 1985
Autor:
Dipl.-Ing. Jörg Bobzin ist Forscher und Entwickler von hocheffizienten
elektrischen Maschinen und ganzheitlicher Wissenschaft und Technik